Buchtipp „Design your Life“

Matthias hat Maschinenbauwesen studiert. Das schien vernünftig. Tatsächlich hat er in seinem Beruf auch Karriere gemacht, gutes Geld verdient. Seine Familie und sein Umfeld waren zufrieden. Matthias nicht. Nicht mehr. Ganz verstand er es selbst nicht. Er hatte alles erreicht, was es zu erreichen galt. Konnte seine Familie finanziell versorgen und auch für die Zukunft war vorgesorgt. Eine sichere Sache, das Leben. Es fühlte sich aber nicht vollständig an. Kommt Ihnen das bekannt vor?

Unsere Vorstellung von Arbeit und unsere Fähigkeiten, bestimmte Arbeiten auszuführen, verändern sich mit fortschreitendem Alter. Das, was noch sinnvoll erschien, weil es das Einkommen sichert und die Familie versorgt, mag eines Morgens nicht mehr das sein, worin man den Rest des Lebens Zeit und Energie investieren möchte. Wurde diese Sinnkrise früher vor allem den 40-50jährigen zugeschrieben, hinterfragen heutzutage auch schon jüngere Menschen die Art, wie sie leben und arbeiten möchten. Während die einen noch nach der Work-Life-Balance suchen, fragen sich die anderen, warum man diese Begriffe überhaupt getrennt voneinander verstehen sollte:
wäre es nicht besser, Arbeit als Teil des Lebens so gestalten zu können, dass sie als freudvoll erlebt wird? Was, wenn ich mehr Möglichkeiten ausschöpfen und mehr Interessen folgen möchte, als mich einem Weg zu verschreiben?

Die beiden Autoren Robert Kötter und Marius Kursawe haben mit „Design your Life“ einen Workshop in Buchform umgesetzt. Darin widmen sie sich der Frage: Wie gestalte ich mein Leben? Fallbeispiele aus ihrer „Job-Manufaktur für Sinnsucher und Unzufriedene“ ergänzen die interaktiven Übungen. Durch die Methode des „Design Thinkings“, welche für Coaching-Prozesse adaptiert wurde, erarbeiten sich die LeserInnen damit ihre individuelle Antwort selbst. Neu ist die Idee des Job-Coachings nicht, der Wunsch noch viel weniger – der Weg aber kann mit diesem Workshop in Buchform klarer werden. Was die Methode besonders macht, ist der Aufruf, schnell ins Tun zu kommen – zu testen, auszuprobieren und mit den neuen Erfahrungen das Ziel, den Weg oder auch nur Etappen nachjustieren zu können. Frei nach Laotse: „Eine Reise beginnt mit dem ersten Schritt.“
…und was hat das nun mit Kommunikation zu tun? Ist die Idee erst einmal in uns gereift
(und das tun wir mit Gedanken, die Worte werden und zu Handlungen führen), müssen wir unser Umfeld miteinbeziehen. Wir werden argumentieren und zu überzeugen versuchen, wir werden Partner suchen und eventuell Geldgeber finden wollen. Für all das müssen wir kommunizieren.
PS: Sie möchten wissen, wie es bei Matthias weitergegangen ist? Matthias hat seine Ersparnisse genommen und eine Ausbildung zum Holzschiffbauer absolviert. Nach drei intensiven und entbehrungsreichen Lehrjahren plant und baut er nun einzigartige Segelschiffe in Handarbeit für internationale Kunden.

„Design your Life“
Robert Kötter und Marius Kursawe
Campus Verlag, Frankfurt 2015

Beitrag für den November-Newsletter „Der Schule des Sprechens“