Zwischen Schlaflosigkeit und Aufbruch

Willkommen in der Wechselzone.

Kennst du diese Nächte? Es ist 3:07 Uhr morgens. Dein Körper ist hundemüde, aber dein Kopf hat beschlossen, eine spontane Krisensitzung einzuberufen. Alle Monster sind da: unerledigte Sätze, verstaubte Zweifel und diese ungebetenen Sorgen, die im Dunkeln immer doppelt so groß wirken. Und dann schleicht sich dieser eine, alles beherrschende Gedanke ein: „Wenn ich jetzt nicht sofort einschlafe, bin ich morgen völlig gerädert – wie soll ich da bitteschön meine Frau stellen?“

Ich kenne das nur zu gut. Und machen wir uns nichts vor: Manchmal ist diese nächtliche Unruhe schlichtweg das, was sie ist – eine verdammt schlaflose Nacht, dem gepflegten Melatoninmangel und dem hormonellen Großreinemachen geschuldet. Punkt. Da hilft kein Ignorieren, sondern nur ein beherzter Griff in die Trickkiste um wieder im Hier und Jetzt zu landen.

Und wenn ich dann also wach bin und die Monster in die Flucht geschlagen habe, merke ich manchmal: Da verschieben sich gerade nicht nur meine Schlafphasen, sondern ganze Tektonikplatten in meinem Inneren. Es ist das Signal für einen größeren Übergang – den Wechsel von einem „Funktionieren-Müssen“ hin zu meinem ganz eigenen, neuen Takt.

Der Puls des Wandels

In der Mitte meines Lebens habe ich akzeptiert, dass mein Denken und Fühlen nicht linear verlaufen. Sie folgen keinem starren Metronom, sondern einem ganz eigenen Rhythmus: mal leise wie ein Flüstern, mal laut und fordernd wie ein Jazzstück, das in diesem Moment nur ich verstehe. Mein Erleben gleicht den inneren Jahreszeiten – vom Aufblühen bis zur Ernte und dem wohlverdienten Ruhen; mal klar fassbar, mal in den Übergängen erstaunlich durcheinander.

Lange dachte ich, ich sei „falsch getaktet“, weil ich mich im Vergleich mit anderen oft daneben fühlte (Spoiler: Don’t do that!). Heute weiß ich: Ich war nicht falsch, ich hatte nur gerade eine andere Wetterlage. Während die eine im strahlenden inneren Sommer Vollgas gab, steckte ich vielleicht gerade im tiefsten Regenerations-Winter. Das ist kein Fehler im System, sondern der Puls des Wandels. Ich bin keine Maschine, die perfekt funktionieren muss. Ich bin eine Landschaft im Wandel.

Die Wechselzone: Wenn das Leben improvisiert

In meinem Buch, das gerade im Lektorat den letzten Schliff bekommt, schreibe ich über das, was ich die „Wechselzone“ nenne. Mein Partner kennt den Begriff vom Triathlon: Es ist dieser Moment, in dem man – leicht dizzy – vom Schwimmen aufs Rad steigt oder später, mit schmerzenden Knien, vom Rad zum Laufen wechselt. In der Sportwelt muss jeder Handgriff sitzen; es muss schnell gehen, man darf keine Zeit verlieren.

Die Wechselzone: Wenn das Leben improvisiert

In meinem Alltag der inneren Zyklen und Wachstumsphasen sieht meine persönliche Wechselzone oft wenig glamourös aus. Da geht es nicht um Bestzeiten, auch wenn sich der Druck genau so anfühlt. Meine Ausrüstung ist weniger aerodynamisch: Da dominiert die Wärmflasche statt der Trinkflasche, und ein ordentlicher Gefühlsorkan ersetzt den sportlichen Gegenwind.

Diese Wechselzone ist ein wilder Zwischenraum. Das „Alte“ ist verabschiedet, aber das „Neue“ erst eine leise Ahnung. Es ist eine Phase, in der die gewohnte Ordnung Sendepause hat. Das fühlt sich oft ungemütlich an, wie Navigieren im Nebel. Aber ich bin überzeugt: Es ist eine zutiefst weibliche Kompetenz, dieses „Nicht-Wissen“ auszuhalten, ohne sofort das Handtuch zu werfen.

TRU: Meine Stimme im Nebel

Doch Hand aufs Herz: Nur weil ich weiß, dass es eine Kompetenz ist, heißt das nicht, dass es immer leichtfällt. Oft vergesse ich in diesem Nebel alles, was ich jemals über Gelassenheit gelernt habe. Kennst du das, wenn du eigentlich weißt, wo es langgeht, aber vor lauter Erschöpfung einfach nicht in die Schuhe kommst? Wenn die Ausrüstung verstreut liegt und du über deine eigenen Beine stolperst?

In diesen Augenblicken hole ich meine innere beste Freundin zu Hilfe: ich nenne sie TRU. Sie ist die Stimme, die nicht „Reiß dich zusammen!“ ruft, sondern flüstert: „Passt schon. Das ist gerade ganz normal. Du machst das großartig, auch wenn es sich mühsam anfühlt.“ Sie erinnert mich daran, dass ich wie der Mond bin: In jeder Phase ganz – auch dann, wenn ich mich nur wie ein schmales, erschöpftes Stückchen von mir selbst fühle.

Ein Häppchen vom Wortbuffet

Bis das Buch fertig ist, möchte ich dir heute schon zwei Impulse aus meinem „Satzgarten“ mitgeben. Kein „Du musst“, sondern ein „Probier es mal aus“:

  • Beobachten statt Identifizieren: Es ist ein Unterschied, ob ich sage: „Ich bin traurig“ – oder: „Ich nehme gerade eine Traurigkeit in mir wahr“. Das schafft Raum zum Atmen.
  • Der Wahrheits-Check: Wenn der Gedanke „Ich bin nicht gut genug“ vorbeihuscht (oder irgendein anderer in der Art), frage ich mich kurz: „Ist das wirklich wahr?“. Meistens stellt sich heraus: Es ist schlichtweg ein Irrtum.

Und wie geht es dir HEUTE? Bist du im inneren Frühling, prickelnd wie ein Glas Prosecco? Oder steckst du in der „Night-Edition“ deiner Wechselzone fest? Alles darf sein. Du bist ein gut gereiftes Stück Leben – eine echte Panorama-Edition.

Schön, dass du da bist!