„Oh mein Gott, wie sehe ich heute wieder aus?“ Hand aufs Herz, wie oft ist das unser erster Gedanke am Morgen? Besonders in Phasen, in denen die Hormone Achterbahn fahren und uns im Spiegel eher eine „Alte“ als die ehemals „Junge“ entgegenblickt. Wir starren auf die Reflexion und sehen oft nur das, was wir am liebsten wegretuschieren würden.
Zeit für einen Perspektivenwechsel. Gerade jetzt, wo der Frühling aufkeimt und alles nach Erneuerung ruft!
Gesehen werden – jenseits der Mode
Ich bin neulich über ein Video von Marks & Spencer gestolpert, in dem Gillian Anderson als „Chief Compliment Officer“ unterwegs ist (schau mal rein: [Link zum Video]). Ja, das ist eine Modemarke, aber lassen wir uns mal von etwas viel Wesentlicherem inspirieren: Dem Gesehenwerden. Von Frau zu Frau.
Ein aufrichtiges Kompliment – das tut doch einfach gut, oder? Weg von der alten Stutenbissigkeit, hin zur Schwesternschaft. Wir werden Komplizinnen. Wir kübeln das ständige Vergleichen und Abwerten und lassen uns stattdessen darauf ein, Wertschätzung zu verteilen.
Probiere es mal aus – ganz kleine Schritte. Ich war letztens beim Autocheck und die Dame am Empfang trug eine fantastische Brille. Während sie ihre Arbeit am Computer verrichtete, habe ich einfach gesagt: „Diese Brille steht Ihnen übrigens ausgezeichnet!“ Sie war erst überrascht, dann sichtlich erfreut. Und wisst ihr was? Ich habe mich riesig gefreut, dass sie sich gefreut hat. Und ich hab das nicht nur so dahin gesagt – die Fassung war farblich einfach ein Knaller zu ihrem Typ.
„Ein Kompliment ist wie ein Duft – es soll umschmeicheln, begleiten, aber niemals aufdringlich wirken.“
Oscar Wilde
Während das zwischen Männern und Frauen oft eine sensible Gratwanderung ist (weil man nie genau weiß, wie es ankommt oder was genau beim Gegenüber ausgelöst wird), dürfen wir Frauen untereinander viel mutiger sein. Ein Kompliment von Frau zu Frau ist wie ein kleiner mentaler Espresso: Es kostet nichts, weckt aber sofort die Lebensgeister und lässt uns für einen Moment aufrechter gehen.
Macht „Schönschauen“ wirklich einen Unterschied?
Vielleicht fragst du dich: „Was hab ich am Ende eigentlich davon?“ Ganz ehrlich: Wir schulen damit unseren eigenen Blick. Manchmal fühlen wir uns wie unsere eigene, strengste Zollbeamtin, die bei der Passkontrolle im Badezimmer jeden kleinen „Mangel“ akribisch registriert. Wir sind Weltmeisterinnen im Defizit-Suchen.
Aber das Gehirn lässt sich austricksen. Wenn wir anfangen, bei anderen Frauen gezielt nach dem Schönen zu suchen – sei es diese unverschämt gute Ausstrahlung, ein mutiges Accessoire oder dieses eine, herzliche Lachen –, programmieren wir unsere grauen Zellen heimlich um. Wer lernt, das Schöne im Außen aufzuspüren, findet es irgendwann ganz automatisch auch im eigenen Spiegelbild wieder. Es ist der Abschied von der Mängelverwaltung und der Startschuss zum Lichtblicke-Sammeln.
Now is Wow.
Werde zur „Chief Compliment Officer“ deines eigenen Alltags. Verschenke ein Kompliment – ehrlich, leicht und ohne Hintergedanken. Einfach, weil du jemanden wirklich siehst. Es macht die Welt für einen Moment heller und – ganz unter uns – es fühlt sich verdammt gut an.
Lasst uns alle ein bisschen CCO werden. Von Herz zu Herz.
Von Frau zu Frau: Du siehst heute verdammt gut aus. Genau so, wie du bist.
Oder wie die Trullala sagen würde: You are flamazing!
Alles Liebe, Deine Karin